Freitag, 6. März 2015

Geldsorgen


Nach der Fahrt über das Delta machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof und fuhren mit dem nächsten Zug nach Buenos Aires. Da der Bahnhof, an dem wir ankamen, direkt an den Busbahnhof Retiro grenzt, beschlossen wir ganz vorbildlich die Buszeiten und Fahrpreise für den kommenden Tag zu erfragen. Spontan haben wir die Halbinsel Valdés zu unserer nächsten Destination erkoren. Da wir aber nicht genügend Geld hatten, ging es zunächst zum Hotel. Im Hotel äußerte Daniel seine Befürchtung, dass seine Kreditkarte gesperrt sei und Valeria holte daraufhin die Sperrnotrufnummer der Sparkasse aus ihrem Portemonnaie. Mangels Empfang gingen wir auf die Straße und kauften erstmal eine SIM-Karte, die einen Anruf zu einem günstigeren Tarif ermöglichte. Gesperrt war die Kreditkarte wohl nicht und so suchten wir weitere Banken auf, um Geld abzuheben. Bei der dritten Bank waren wir erfolgreich und konnten nun erneut zum Busbahnhof Retiro fahren, um Tickets für die Weiterreise zu kaufen. Unsere Reisepässe hatten wir im Hotel gelassen. Es genügte jedoch Fotografien dieser vorzuzeigen, die Daniel glücklicherweise auf seinem Smartphone hatte. Für eine 20-stündige Fahrt mit Cama (Bett) im Bus zahlten wir zusammen 2400 Pesos. Den Weg von Retiro zum Zentrum bestritten wir über einen Umweg, der uns neue Ecken von Buenos Aires offenbarte. 
Nach diesem ernüchternden Tag in puncto Geldabheben, haben wir aus Zeitnot entschieden abends bei McDonald's zu essen. Valeria sucht ein ruhiges Plätzchen, es wird gegessen und dank Wifi sind beide in ihre mobilen Endgeräte vertieft. Als sich hinter Valeria zwei Männer platzieren, die sie keines Blickes würdigt, äußert sie zu Daniel, dass ihr die zwei verdächtig wären und er aufpassen solle. Daniel reagiert töricht, gibt sich gelassen und unterstellt Valeria Paranoia. Valeria will gerade ihr Handy wegstecken als sie aus dem Augenwinkel sieht, dass ihr Rucksack versetzt ist und sich ein Jackett darüber befindet. In Schockstarre zerrt sie den Rucksack an sich, schreit den Mann an uns sagt ihm, dass sie von vornherein wusste, dass er böse Absichten habe. Daniel versucht die Männer zu stellen, während Valeria nur noch aufgebracht das Lokal verlassen kann. Auf der Straße fragt Daniel unzählige Male ob alles noch da sei. Valeria versichert, dass nichts weggekommen sein kann, da der Mann ja erst dabei war den Rucksack mit seinem Jackett zu verdecken und aus dem Lokal zu spazieren. Als das Portemonnaie jedoch nicht auffindbar ist, wird klar, dass der Mann den recht hohlen Rucksack durchsucht hat und dieses entnommen hat. 160 Euro sind zwar nicht die Welt, aber ein Ausweis, der keine 10 Tage alt war, befand sich darin und auf die Terminanfrage im Bürgeramt hatte Valeria nun wirklich keine Lust. Daniel entschied sich die Polizei zu rufen, um den Vorfall zu melden. Spätestens hier merkten wir, dass weder Polizisten, noch Verkäufer oder irgendwelche Passanten Englisch verstehen und Valerias Spanischkenntnisse trotz vier Semestern Unterricht eher mangelhaft sind. Wir gaben uns mit der Situation zufrieden und kauften uns ein Kiosk-Eis, das wir im Hotel genießen wollten. Oben angekommen, kann Valeria es nicht glauben, dass sie ihr Portemonnaie auf dem Bett liegen gelassen hat. Nach großer Verwunderung fällt ihr ein, dass es im Zuge der Sperrnotrufnummer aus dem Rucksack geholt wurde. Bis auf einen leichten Schock, gab es somit keine schmerzlichen Verluste.
Das Motto am Ende des Tages.

Teatro Colon (gebaut: 1857)

Obelisk von 1936 inmitten der Avenida 9 de Julio

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